Warum Fluchen körperliche Leistungen steigern kann

Fluchen beim Sport: Kann Schimpfen wirklich die Leistung steigern?

Wer beim Training schon einmal laut geflucht hat, kennt das Gefühl: Noch eine Wiederholung, noch ein paar Sekunden länger durchhalten und plötzlich geht doch mehr als gedacht. Was lange wie reine Emotion wirkte, wird inzwischen wissenschaftlich untersucht. Tatsächlich deuten Studien darauf hin, dass Fluchen beim Sport kurzfristig Kraft, Ausdauer und Belastbarkeit steigern kann.

Das Beste daran: Dafür braucht es weder teure Supplements noch ausgeklügelte Biohacks.

Studie zeigt: Fluchen kann die körperliche Leistung verbessern

Forschende der Keele University und der University of Alabama in Huntsville haben untersucht, wie sich Fluchen auf körperliche Belastung auswirkt. In der Studie absolvierten 192 Teilnehmende sogenannte Chair Push-ups. Dabei mussten sie ihr Körpergewicht mit den Armen halten.

Alle zwei Sekunden wiederholten die Probanden entweder ein selbst gewähltes Schimpfwort oder ein neutrales Wort.

Das Ergebnis: Die Gruppe, die fluchte, hielt die Belastung deutlich länger durch.

Warum Fluchen beim Training helfen kann

Die Erklärung scheint weniger körperlich als psychologisch zu sein.

Die Forschenden identifizierten mehrere mögliche Effekte:

  • höhere Konzentration unter Belastung
  • geringere Wahrnehmung von Schmerz und Erschöpfung
  • mehr Selbstvertrauen im Moment der Anstrengung
  • weniger mentale Hemmungen
  • stärkere Fokussierung auf die Aufgabe

Kurz gesagt: Fluchen könnte dabei helfen, innere Widerstände für einen kurzen Zeitraum auszublenden und mehr Leistung abzurufen.

Frühere Studien zeigen ähnliche Effekte

Die aktuelle Untersuchung bestätigt frühere Forschungsergebnisse.

Wissenschaftliche Übersichten berichten unter anderem von folgenden Leistungssteigerungen:

  • bis zu 9 % mehr Griffkraft
  • bis zu 22 % längere Wall-Sit-Dauer
  • rund 15 % mehr Push-ups bis zur Erschöpfung
  • etwa 12 % längere Plank-Zeiten

Auch frühere Arbeiten des britischen Psychologen Richard Stephens zeigten bereits Leistungssteigerungen bei intensiven Belastungstests, ohne dass sich klassische körperliche Messwerte wie Herzfrequenz oder Blutdruck deutlich veränderten.

Ist Fluchen der neue Trainingshack?

Ganz so einfach ist es nicht.

Die Forschung zeigt vor allem kurzfristige Effekte in intensiven Belastungssituationen. Fluchen ersetzt weder Training, Regeneration noch Ernährung. Es kann aber ein überraschend einfacher mentaler Hebel sein, um in einzelnen Momenten etwas mehr aus sich herauszuholen.

Ob das im Fitnessstudio, beim Intervalltraining oder auf den letzten Metern eines Wettkampfs funktioniert, bleibt individuell.

Fazit

Fluchen macht niemanden automatisch stärker. Aber Studien deuten darauf hin, dass Schimpfwörter unter Belastung tatsächlich einen kleinen Leistungsschub auslösen können.

Wenn also beim nächsten harten Satz spontan ein Kraftwort fällt, steckt dahinter vielleicht mehr als nur Frust.