Warum Fluchen körperliche Leistungen steigern kann

Wer hätte gedacht, dass das gute alte „F…!“ mehr kann, als nur Nachbarn zu irritieren und Fitnessstudio-Trainer ratlos zu machen? Offenbar ist Fluchen nicht nur Ventil für Frust, sondern möglicherweise der günstigste Leistungsbooster der Welt – ganz ohne Proteinshake, Trainingsplan oder komplizierte Biohacks. Wissenschaftler behaupten tatsächlich: Wer beim Sport ordentlich schimpft, kann mehr Kraft, Ausdauer und Durchhaltevermögen entwickeln. Das heißt im Klartext: Wenn Sie beim nächsten Workout nicht nur keuchen, sondern kreativ werden, könnten Sie plötzlich Spitzenleistungen abrufen – zumindest, solange niemand Ihre Wortwahl bewertet. Warum die Wissenschaft dem Fluchen jetzt ernsthaft Applaus spendiert und was im Körper dabei passiert, lesen Sie hier.

Fluchen ist gesellschaftlich oft verpöhnt – doch laut aktueller Forschung kann es beim Sport tatsächlich leistungssteigernde Effekte haben. Wissenschaftler aus Großbritannien und den USA berichten, dass verbale Ausbrüche während körperlicher Anstrengung die Leistung messbar verbessern können.

In einer aktuellen Studie veröffentlicht im Fachjournal American Psychologist untersuchten Forschende der Keele University und der University of Alabama in Huntsville die Auswirkungen von Fluchen auf körperliche Leistung. Insgesamt nahmen 192 Personen an zwei Experimenten teil, in denen sie sogenannte „chair push-ups“ durchführten – eine Übung, bei der das Körpergewicht über die Arme gehalten wird. Alle zwei Sekunden sollten die Teilnehmer entweder ein Schimpfwort ihrer Wahl aussprechen oder ein neutrales Wort wiederholen.

Deutliche Leistungssteigerung durch Fluchen

Die Ergebnisse zeigten: Probanden, die fluchten, konnten die Position deutlich länger halten als jene, die neutrale Begriffe wiederholten. Diese Befunde bestätigen frühere Forschungsergebnisse, wonach Fluchen etwa auch die Fähigkeit erhöht, die Hand in eiskaltem Wasser länger auszuhalten – ein klassischer Maßstab für Schmerz- und Belastungstoleranz.

Im Rahmen der Studie wurden die Teilnehmenden zudem zu psychologischen Faktoren wie Selbstbewusstsein, Ablenkung, Humor und dem Erleben eines sogenannten „Flow“-Zustands befragt. Die Forscher identifizierten mehrere Mechanismen, die den Leistungszuwachs erklären könnten: Fluchen führe zu mehr Konzentration, weniger Ablenkung durch Schmerzen und zu einem gesteigerten Selbstvertrauen – alles Faktoren, die den inneren Widerstand gegen körperliche Anstrengung senken.

Wissenschaftlicher Kontext und frühere Ergebnisse

Die neuen Ergebnisse bauen auf mehreren Studien auf, die den Einfluss von Schimpfwörtern auf körperliche Leistung untersuchen. Eine Mini-Review wissenschaftlicher Arbeiten zeigt, dass Fluchen ergogene Effekte bei kurzen, intensiven Kraft- und Ausdauerleistungen aufweist:

  • Grip-Stärke: etwa 9 % mehr,
  • Wall-Sit-Dauer: bis zu 22 % länger,
  • Push-ups bis zur Erschöpfung: rund 15 % mehr,
  • Plank-Dauer: etwa 12 % länger, wenn Probanden fluchen statt neutrale Worte sagen.

Frühere Arbeiten des britischen Psychologen Richard Stephens und Kolleg:innen (2018, 2022) belegten bereits, dass Swearing während eines Wingate-Anaerobictests die Leistung steigert und die Griffkraft messbar zunimmt, ohne dass sich physiologische Parameter wie Herzfrequenz oder Blutdruck signifikant verändern.

Wissenschaftliche Übersichten deuten darauf hin, dass die beobachteten Effekte nicht allein durch eine simple „fight-or-flight“-Reaktion erklärt werden können, sondern vielmehr durch einen psychologischen Mechanismus der Enthemmung und gesteigerten inneren Fokussierung. Durch das Aussprechen von Tabuwörtern können mentale Barrieren durchbrochen werden, was in einem intensiveren Einsatz körperlicher Ressourcen resultiert.

Fazit: Eine Strategie mit Grenzen

„Fluchen ist buchstäblich ein kalorienfreies, nicht-medikamentöses, kostengünstiges und leicht verfügbares Mittel, das uns zur Verfügung steht, wenn wir einen Leistungsschub brauchen“, erklärt Studienautor Richard Stephens. Allerdings betonen die Forschenden, dass das Phänomen situativ ist und nicht ohne soziale Kontexte betrachtet werden sollte. In professionellen oder öffentlichen Situationen kann Fluchen unangemessen wirken.

Die Forscher planen, ihre Untersuchungen auszuweiten – etwa darauf, ob ähnliche Effekte in mentalen Leistungsbereichen wie Reden vor Publikum oder in zwischenmenschlichen Situationen auftreten können.