TorTour de Ruhr 2026 – Laufbericht

TorTour de Ruhr 2026 – Mit schwerem Herzen ein DNF

Am Samstagmorgen 23.05.26 um 08:00 Uhr fiel an der Ruhrquelle der Startschuss zu meinem großen Abenteuer. Vor mir lagen 231 Kilometer entlang der Ruhr – eine Herausforderung, auf die ich mich monatelang vorbereitet hatte.

Über 1.750 Trainingskilometer, mehrere Ultramarathons, ein 100-Meilen-Lauf und unzählige Stunden auf den Beinen sollten die Grundlage für dieses Ziel sein.

Die ersten Kilometer verliefen gut. Das Wetter spielte mit, die Stimmung war hervorragend und die Vorfreude auf die bevorstehenden Tage war riesig. Schritt für Schritt arbeitete ich mich entlang der Strecke voran. Wie bei jedem Ultralauf gab es Höhen und Tiefen, doch zunächst fühlte sich alles kontrollierbar an.

Nach rund 75 Kilometern änderte sich das jedoch schlagartig.

Zunächst kamen die ersten Krämpfe. Nichts Ungewöhnliches bei einer solchen Distanz, dachte ich mir. Doch die Beschwerden wurden stärker. Kurz darauf setzte massive Übelkeit ein, die schließlich in Erbrechen überging. Jeder Versuch, Nahrung oder Flüssigkeit aufzunehmen, scheiterte. Mein Körper verweigerte zunehmend die Zusammenarbeit.

Was folgte, war ein harter Kampf gegen mich selbst.

Immer wieder versuchte ich, weiterzulaufen. Immer wieder hoffte ich, dass sich die Situation stabilisieren würde. Doch die Symptome wurden nicht besser. Die Krämpfe nahmen zu, die Übelkeit blieb konstant und die Kräfte schwanden mit jedem Kilometer.

In dieser schwierigen Phase standen zwei Menschen besonders an meiner Seite: mein Sohn Tim und Christian.

Beide haben alles gegeben, um mich im Rennen zu halten. Sie motivierten mich, kümmerten sich um die Versorgung, sprachen mir Mut zu und suchten gemeinsam mit mir nach Lösungen. Sie glaubten an mich, als ich selbst bereits merkte, dass mein Körper an seine Grenzen gekommen war.

Dafür bin ich ihnen unendlich dankbar.

Doch irgendwann kommt bei einem Ultralauf der Punkt, an dem der Kopf zwar noch weiter möchte, der Körper aber ein klares Nein ausspricht. Genau diesen Punkt hatte ich erreicht.

Mit schwerem Herzen musste ich die Entscheidung treffen, den Lauf zu beenden.

Ein DNF – Did Not Finish.

Obwohl ich mir immer sagte: Aufgeben kannst du bei der Post, nur nicht hier und jetzt.

Drei Buchstaben, die weh tun. Besonders dann, wenn man monatelang auf ein Ziel hingearbeitet hat und genau weiß, wie viel Zeit, Schweiß und Leidenschaft in diesem Projekt stecken.

Natürlich überwiegt zunächst die Enttäuschung. Die Gedanken kreisen um das, was hätte sein können. Um die Kilometer, die noch vor mir lagen. Um das Ziel, das ich diesmal nicht erreichen durfte.

Doch mit etwas Abstand bleibt auch eine andere Erkenntnis:

Ein DNF macht die Vorbereitung nicht wertlos. Er löscht nicht die vielen Trainingsstunden, die Erlebnisse auf dem Weg dorthin oder die Erfahrungen, die man gesammelt hat. Er zeigt lediglich, dass selbst die beste Vorbereitung keine Garantie für Erfolg ist und dass der Körper manchmal seine eigenen Regeln schreibt.

75 Kilometer sind an diesem Tag auf der Uhr gelandet. Nicht die 231 Kilometer, die ich mir vorgenommen hatte, aber dennoch 75 Kilometer voller Kampfgeist, Leidenschaft und dem Willen, niemals kampflos aufzugeben.


TORTOUR DE RUHR

Die TorTour de Ruhr® folgt 1:1 dem RuhrtalRadweg. Er ist durchgehend beschildert und verbindet das Mountainbike- und Bobparadies Winterberg mit den Ruhrmetropolen Dortmund, Bochum, Essen, Mülheim, Oberhausen und Duisburg. Samstag früh starten, bis Sonntagabend ankommen, ohne Schlaf nonstop durchlaufen bis zum Rheinorange. Weitere Infos >> TORTOUR DE RUHR

Die Tour der Ruhr hat mich in diesem Jahr besiegt.

Aber sie hat mich nicht gebrochen.

Ich werde die Erfahrungen mitnehmen, daraus lernen und wiederkommen. Denn wer Ultraläufe liebt, weiß: Nicht jeder Traum endet beim ersten Versuch im Zielbogen. Dieser schon und das zerreißt mich gerade da es mein Projekt war.

Ein riesiges Dankeschön an Tim Lenk Tell Wollert, Christian Schuppart für eure Unterstützung, eure Geduld und euren unermüdlichen Einsatz. Ohne euch wäre dieser Tag noch deutlich schwerer gewesen.

Manchmal besteht Stärke nicht darin, weiterzulaufen. Manchmal besteht Stärke darin, rechtzeitig stehen zu bleiben.


Herzlichen Dank für Veröffentlichung an Norman Lenk. Besuche Norman auf Facebook >> NORMAN LENK


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